Das stille Bild

in mir

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Vielleicht ist es ja deshalb nur ein stilles Bild: Weil darin alles gesagt sein kann und nichts gesagt werden muss. Weil ich darin laut sein darf, ohne zu schreien und ohne, dass andere mich hören müssen.

Vielleicht ist es ja deshalb ein Bild, weil ich dafür nicht sprechen muss und das Sprechen dem selbigen überlassen kann. Ganz gleich, wie wichtig oder belanglos die Erzählung sein mag.

Vor meinem Auge ist die Strasse; oder ein nie enden wollender Strom von Farben, Formen und Gerüchen. Ein in unterschiedliche Kulissen gehülltes Laufband auf dem Menschen fahren… Menschen, die ich kenne, nicht kenne, oder schon zu Tausenden gesehen habe. Es sind Grössere, Lautere, Leuchtende, Schweigsame, Hungrige und Übersatte. Leute, wie Du und ich und … und natürlich ist da auch sie:


Sie, der ich irgendwann in einem früheren Leben vielleicht schon begegnet bin. Ich würde sie unter Tausenden wieder finden. Sie, die durch ihre ganze Erscheinung aus allem heraussticht und danach schreit von mir gesehen zu werden. Und ich… ich kann nicht anders und folge meiner einzigen Manie und löse aus. Dieser Moment der Wiedervereinigung… dieser Augenblick, in dem unsere beider Wege sich kreuzen ist gleichzeitig ein Abschied und muss es sein. Denn weiter hinten, drüben unter dem schützenden Dach der Bahnhofshalle… da wartet sie: die, die ich in einem früheren Leben schon einmal gesehen habe…

Vielleicht ist es ja deshalb, das stille Bild, das mein Medium wurde. Weil ich dadurch zu mir finde und all die Wesen, die ich in mir trage, wieder sehe.