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Gedanken zur Strasse

streets of mine

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streets of mine

Ich hab sie spät für mich entdeckt:
Die „Streetfotografie“

und ich möcht sie nicht mehr missen.

Natürlich habe ich auch früher die Kamera auf der Strasse gezückt; ich hatte sie dabei auf Demonstrationen, ging in Hamburg hin und wieder gezielt an den Hafen, nahm meine Canon 550D mit und hielt fest, was ich für würdig hielt. Heute mache ich das aus anderen Motiven und deutlich enthusiastischer.

Das Fotografieren wurde mit der Zeit zu meinem Beruf. Die Fotografie auf der Strasse wird nun zu meinem Hobby. Oder noch genauer: Mit der Kamera in meiner Hand und durch die Stadt spazierend finde ich ein wenig wieder zu mir selbst. Es ist – wenn du es so sagen willst – eine Art Selbsttherapie fern der Aufgaben eines Vaters, den Alltagsverpflichtungen und der Auftragsarbeiten. Ich sehe dann, was ich sehen will und liebe es den Rythmus der Umwelt aufzunehmen und mich einfach treiben zu lassen.

Mailand 2017 – Fujifilm x100F | Edited in LR

Die Fuji-Kameras haben etwas verändert oder genauer: Ich mich durch sie und damit auch meine Erzählweise. Beinahe zeitgleich und weil ich spürte, dass es eine Veränderung bedarf, entschied ich mich das Atelier in Zürich aufzugeben und stellte mein Kamerasystem von DSLRs (Canon) auf die besagten spiegellosen Fuji-Kameras um.

Veränderungen sind gut und manchmal wichtig, um sich selbst künstlerisch neu zu entdecken. In meinem Fall war es die Gründung dieser Plattform. Mit LoveWinti schaffte ich einen neuen Raum, in dem ich mich ungebunden und ungezwungen den Dingen widmen kann, die mir Freude machen. Aktuell ist es mehr denn je die Strasse, die mich lockt.

Mailand 2017 – XT2 – 56mm

Es stimmt, dass es nicht die Kamera ist, die das Bild einfängt. Es stimmt aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Es Bedarf schon einer Kamera, die immer dabei ist. Meine DSLRs waren es schon aus praktischen Gründen nicht: Sie passten nicht in meine Jackentasche. Die beste Kamera ist die,  die schnell und unkompliziert da ist, wenn ich sie brauche. Eine solche habe ich mit der X100F.

Die stille Schönheit begleitet mich nun überall hin und ist immer in meiner Brusttasche. Mit ihr in der Hand folge ich meiner Intuition, ohne gross über das Geschehen selbst nachzudenken und halte fest, was mich interessiert. Später gehe ich die Aufnahmen durch und selektiere. Ich lebe meinen Tag so noch einmal neu und reflektiere auf diese Weise viel mehr.

Mailand 2017 – Fujifilm x100F | Edited in LR

Mailand 2017 – Fujifilm x100F | Edited in LR

Mailand 2017 – Fujifilm x100F | Edited in LR

Mailand 2017 – Fujifilm x100F | Edited in LR

Mailand 2017 – Fujifilm x100F | Edited in LR

Ich suche nicht. Aber ich spüre, dass ich finde. Immer wieder entdecke ich Muster. Rot. Harte Schatten, Ebenen, die verschmelzen. „Deine Reportagen haben sich verändert“, sagt dann meine Frau und bezieht sich auf meine Auftragsarbeiten. Und ich erlebe, wie sich meine Arbeit zunehmend verändert. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich mir auf der Strasse das Selbstvertrauen hole, das ich für solche Aufnahmen benötige. Vielleicht ist auch nur das Auge, das sich an Bilder gewöhnt und sie schneller wieder entdeckt. Finde ich einen Ort in spannendem Licht, eine Begebenheit, die mich fesselt: So bleibe ich. Ich harre aus, trinke einen Kaffee, beobachte und lerne viel über die Menschen und ihren Lebensrythmus. Ich habe keinen Plan, wenn ich hinausgehe. Ich gehe und bleibe, wenn ich nicht mehr mag. Diese Freiheit ist auch ein Luxus, den ich mir selbst immer wieder gönnen muss, um zu funktionieren und Kräfte zu tanken.

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

In meinem Leben bin ich einige Male umgezogen und lernte bald schon die Orte zu schätzen, die es einem einfacher machen einen Einblick in eine neue Stadt zu erhalten. Das sind Stadien, das sind aber auch Bahnhöfe.

Wenn ich eine fremde Stadt kennenlernen will: So setze ich mich gern für einige Stunden in ein Cafè unweit des Bahnhofeingangs. Früher habe ich dabei gelesen. Heute halte ich die Kamera in der Hand und habe den Kaffee bereits bezahlt. Hier laufen sie alle entlang oder warten mit mir: Die Obdachlosen, die ruhend auf Almosen hoffen; Arbeiter, die von ihrem harten Tag ausserhalb der Stadt den Weg nach Hause einschlagen, ebenso die Businessleute… sie sind alle hier. Und während die einen hetzend auf den Zug springen, stehen andere an die Wand gelehnt oder liegen, die Restsonne geniessend, auf den Bänken. Du kannst hier sein, ohne wahrgenommen zu werden. Einzig die, für die Zeit nicht das Problem ist, werden Dich entdecken und für sie bist du auch bald schon Teil der Szenerie.

Mit der XT2 in der Hand verbrachte ich die letzten zwei Stunden vor meiner Rückreise am Mailänder Hauptbahnhof.

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji X100F – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Mailand 2017 – Fuji XT2 – Edited in LR

Die Strasse gibt viel, wenn man sie denn nicht ausreizt. In einer Grossstadt wie Mailand unterzutauchen ist deutlich einfacher, als in meinem Winterthur. Deshalb (und weil auch hier – wie anderswo gilt: Zerstöre nicht deine eigene Spielwiese) zieht es mich immer wieder raus, in fremde Städte. Wer nicht wahrgenommen werden will, der darf sich eben auch nicht immer zeigen. Im Übrigen mag ich das Reisen: erstrecht die Zeitreisen. So führt mich mein nächster Ausflug zurück in meine erste europäische Station: Nach Leipzig. Dahin, wo ich meine ersten deutschen Worte sprach. Ich freue mich darauf und werde die Fuji-Kameras sicher dabei haben.

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