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Marry X-Mas

Warum ich die Fuji XT-2 haben musste

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Ich habe eine Neue

…und sie ist wunderschön.

Seit längerem schon suchte ich nach einer kleinen, möglichst kompakten Kamera für meine Reportagen im In- und Ausland.  Dabei testete ich diverse Kameras und besuchte hier und da, wo es meine Zeit erlaubte, Fotomessen und Veranstaltungen, an denen die neuen, spiegellosen Systeme präsentiert wurden.

Mein Wunsch war es eine Kamera zu finden, die nebst ihrer primären Stärke als kleine, unauffällige und  leise Reportage-Kamera, noch andere Bereiche (Sportfotografie & Videographie) zu einem Mindestmass an Qualität abdecken konnte.

Ich suchte lang vergebens und ich gestehe, dass das Problem eher ein Hausgemachtes war. Schliesslich wollte ich die vieler Orts bekannte, eierlegende Wollmilchsau unter den Fotokameras und die wollte sich mir einfach nicht zeigen. Ich blieb geduldig, lieh mir für eine kurze, berufliche Reise nach Mailand, die Leica Q eines geschätzten Kollegen (Danke, Christian) aus und war/bin nachaltig beeinruckt. Die Leica Q ist ein Hingucker, schlicht und edel… und sie liefert kompromislos knackig scharfe und kontrastreiche Bilder. Und wenn der Wunsch nach mehr Flexibilität in den Einsatzbereichen nicht wäre, die Leica Q wäre meine erste Wahl für eine reine Reportagekamera.

Uefa Champions League – Final | Mailand 2016 – fotografiert mit der Leica Q

In Mailand nämlich hatte ich nebst dem dokumentarischen Auftrag noch die Vorgabe einige Sport-/Actionszenen abzulichten. Die Leica war hierfür von Beginn an keine Option und so schleppte ich einzig für diese wenigen Aufnahmen die Canon 1Dx M2 und entsprechende Tele-Objektive mit mir herum. Mein Rücken hat mich gehasst, meine Beine auch. Die fehlende Möglichkeit Objektive zu wechseln und auch diesen Bereich meiner Arbeit mit der Leica abzudecken, sowie der stolze Preis zu dem sie zu bekommen ist, waren dann letztendlich ausschlaggebend dafür, dass die Kamera nicht in meinem Warenkorb landete. Schliesslich sah ich derartige Situation öfter auf mich zukommen.

Ich blieb (zum Glück) geduldig, schielte in Richtung Sony und ihre A7-Reihe, schob aber die Sache bis nach der Photokina (die größte Fotomesse der Welt) auf, an die ich gemeinsam mit zwei Freunden reiste. In Köln angekommen hatte ich eigentlich nur ein Ziel: Der Fuji-Stand. Ich hatte Wochen zuvor die Fuji X-Pro-2 in der Hand und war nach einem Wochenende Testlauf in Winterthur und naheliegender Umgebung ziemlich angetan und wollte die Kamera am liebsten direkt behalten. Vor dem Kauf allerdings nahm ich die Kamera auf eine letzte Testreise direkt in eine Jobsituation: Als Drittkamera zu einer Hochzeit, die ich fotografieren durfte. Die X-Pro-2 machte ihre Arbeit klasse, allerdings stellte ich fest, dass sie hier und da nicht ganz meinem Tempo folgen konnte. Für mich, der ich gerade in Situationen, wie an einer Hochzeit, schnell und ohne viel nachdenken zu müssen, präsent sein muss, ein grosses Manko. Das grösste Problem, nebst dem für meinen Geschmack etwas langsamen Fokus*  und einigen merkwürdigen Artefakten in so mancher Gegenlichtsituation, war das Verstellen des ISO-Werts via Retro-Rad! Das Rädchen ist zwar im Alltag ganz schick, in Jobsituationen oder wenn es allgemein schnell gehen muss, alles andere als praktisch. Zackig ist jedenfalls etwas anderes.

Fotos: Fujifilm Official

Traurig, denn die Kamera war sonst wirklich klasse und wunderhübsch anzusehen, brachte ich die X-Pro-2 zurück und wusste nicht wirklich weiter. Sollte es doch eine Sony werden? Ein wenig sträubte ich mich gegen Sony. Auch hier hatte ich die A7s  für einen sehr kurzen Testlauf ausgeliehen und war schnell genervt vom umständlichen Menü. Hinzu kam, dass ich nun Fuji-Luft geschnuppert hatte und erfahren hatte, wie intuitiv die Nutzerfürung sein kann. Stefan, Fotograf und gute Seele aus Hamburg, brachte dann die Fuji XT-2 ins Spiel, die bald erscheinen sollte. Ich machte mich schlau und sah, dass Fuji die Kamera auf der Photokina in Köln ausstellen würde. Ich wollte mehr wissen und verschlang Foren, mit der Erkenntnis: Diese Kamera würde meine ganz persönliche Wollmilchsau und so ziemlich genau das werden, was ich suchte. Um auch die letzten Zweifel auszuräumen, entschied ich mich von der Vorbestellung abzusehen und die Messe in Köln abzuwarten.

Vor Ort hatte ich dann endlich die kleine Schönheit in der Hand, konnte – wenn auch begrenzt – etwas fotografieren und holte mir beim fachkundigen Personal, wie zur Bestätigung, die Infos, die ich ohnehin bereits in diversen Foren gelesen hatte.

Kaum Unterschiede in der Bildqualität

Qualitativ mag es kaum Unterschiede, zwischen den Aufnahmen der X-Pro-2 und der XT-2 geben, die beide den gleichen Sensor und viele identische Funktionen teilen. Dennoch gibt es für mich essenzielle Unterschiede zwischen den beiden Kameras.

Warum also doch die XT-2? Was mich überzeugte, war das Tempo zu dem die Kamera fähig war (11 Bilder pro Sekunde mit dem Boostgriff) und der schnellere Autofokus (*wobei laut Fuji hier die X-Pro-2 mit einem Firmware-Update auf gleichem Level hieven wird). Auch das Gehäuse fühlte sich in meiner Hand „richtiger“ an. Ein subjektives, aber eine wichtiges Detail. Die Kamera ist griffiger. Die Back-Focus-Buttons sitzen  am richtigen Fleck und wenn nicht, lassen sich acht(!) der Tasten individuell belegen. Das Verstellen der Werte (ISO / Belichtungszeit) ist bei der XT-2 durch die Trennung der beiden Rädchen deutlich entspannter im Vergleich zur X-Pro-2 und ich laufe nicht Gefahr den anderen Wert jeweils mit zu verändern.

Ebenfalls, und entscheidend für den Ausschlag in Richtung Fuji (und nicht etwa Sony), war die grosse und starke Palette an Objektiven, die Fuji anbietet. Mit den Fähigkeiten der XT-2 machte dann auch die Anschaffung eines lichtstarken Tele-Zooms (55-140mm 2.8) und einem Converter, für das ich bei der X-Pro-2 mangels schnellem Fokus und langsamer Serienbildfunktion noch keine Verwendung sah, Sinn. Der Bereich der Sportfotografie wäre also für meine Zwecke ausreichend abgedeckt. Bleibt also die Sache mit dem Filmen.

Die Videofunktion, die nun mit 4K (1,8x  oversampling runtergerechnet) daherkommt, ist beeindruckend für das, was die Kamera eigentlich ist. Die kleine Wunderkamera kommt gar mit 100Mbps, F-Log (leider nicht intern auf SD-Karte) und Clean HDMI Ausgang daher. Halloooo 4:2:2 und 8Bit. Eigens hierfür habe ich mir zeitgleich ein Gimbel zugelegt. Aber dazu später in einem anderen Beitrag mehr.

Der Autofokus der XT-2 ist überragend (hatte ich das erwähnt?) und lässt sich individuell anpassen! Eine Funktion, die die X-Pro-2 nicht aufweisen kann. Ich war also mehr als überzeugt und kaufte die Kamera, die mich nun durch die kommenden Monate/Jahre und vor allem hier in diesem Blog begleiten wird.

Ihr werdet es vielleicht bereits festgestellt haben: Alle Aufnahmen (mit Ausnahme einiger weniger aus dem ersten Blogpost („Nirgends ist das Gras grüner„), die ich mit der Canon 1Dx MII gemacht hattte, sind mit der X-Pro2 oder der XT-2 eingefangen. Im Übrigen auch alle GIFs und Videos, derer es in Zukunft noch mehr geben wird.

Nun genug der Schwärmerei und eine Frage an die Fotofreunde unter euch:

Womit fotografiert ihr derzeit?
Und wie zufrieden seid ihr mit eurem Werkzeug?

 


Vielen, vielen Dank an Light & Byte, die mich bestens beraten haben und mir die X-Pro-2 während meiner Wartezeit (die XT-2 liess laaaange auf sich warten) kostenfrei zur Verfügung stellten.

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  • Tom K

    Ahoi Milad, ich habe eine Fuji X-E2

    • Eine klasse Systemkamera! Bist du denn zufrieden?

      • Tom K

        Ich hab sie mir angeschafft, um sie jederzeit überall mitnehmen zu können, statt eine D200 mitzuschleppen. Ich finde sie qualitativ grossartig, das Preis/Leistungsverhältnis ist überragend. Anfangs fand ich den Autofocus etwas zäh, doch mit den Firmware-Updates hat sich das stark verbessert. Zudem ist das Objektivsortiment bei Fuji interessant. Als ich Deinen Aufsatz las, habe ich mir ein Upgrade auf die XT-2 kurz überlegt, aber für meine Zwecke reicht die X-E2 vollends.

        • Milad

          Das versteh ich. Hätte ich eine XT-1 oder eine Vergleichbare bereits in meinem Sortiment gehabt, ich wäre wohl auch nicht wirklich in Versuchung gekommen. Ich wünsch dir jedenfalls weiterhin viel Spass mit deiner Fuji und teil doch gern deine Fotos mit mir, wenn du magst. Hier oder auf anderen Wegen (fb/insta). Würde mich freuen zu sehen, wie du siehst.

  • Daniel Szameikat

    Ich bin nach meiner langen Reise über Canon, Sony und Nikon dann auch irgendwann bei den Kameras gelandet, mit denen ich schon so lange geliebäugelt hatte: Bei Fuji – und endlich angekommen. So fühlt es sich zumindest an. Sie sind zu meinen ständigen Begleitern geworden – im Job und auch privat. Sie Xt1 und die Xt2. Die XPro2 wird sicherlich acuh irgendwann folgen. Habe ich bei Sony schon aufgrund des elektronischen Suchers und des Vollformates für mich die Fotografie als neu erfunden gefühlt – so hat Fuji dieses gefühl komplettiert – für mich.

  • Ufuk Düzgün

    Hallo Milad
    Toller Blog hier, bin regelrecht begeistert! Ich benutze die Nikon D5300 mit Ultraweitwinkel und einem Festbrenner und bin eigentlich recht zufrieden. Gedanken zum Wechsel mache ich mir ebenfalls, vor allem seit Fuji den X-T2 vorgestellt hat. Unzählige Berichte und Tests sind bei mir schon durch. Ich bin mir allerdings noch nicht so ganz sicher. Freue mich daher auf deine weiteren Berichte über die Cam. Mein Hauptgrund wäre definitiv der Gewichtsvorteil.

    • Hi ufuk – Tatsächlich spür ich den Gewichtsvorteil im Beruf und bin froh um den Umstieg. Eine ganztägige Hochzeitsreportage mit meinen beiden Canons spürte ich am Folgetag. Mit den beiden Fujis (XT2 und Xpro2) sind es nur noch die Füsse, die sich melden 🙂 Das aber kann mir wohl kein Kamerahersteller ersparen und das ist ok. Ansonsten bin ich mehr und mehr begeistert und kann dir nur empfehlen die Kamera mal bei einem Verleih in deiner Nähe auszuleihen und zu testen. Falls Du in ZH Zuhause bist: Light&Byte bietet im Rent die X-Pro2 an.

      Danke auch für deine lieben Worte zum Blog. Ich werd sicher wieder mal über meine Erfahrungen mit den Fuji-System schreiben. Demnächst erhalte ich noch die X100F und bin selbst gespannt, wie sie sich als Ergänzung zur XT2 machen wird.

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