Sophie

die Schnellzeichnerin

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Sie lebt seit sieben Jahren in der Stadt. Begegnet sind wir uns allerdings erst vor wenigen Wochen. Dabei hätt ich sie sicher schon früher kennenlernen können, wäre ich nur ?fter im Gotthard gestrandet, wo sie als Kellnerin arbeitet, oder h?tte ich mich fr?her gefragt, wer hinter der Gestaltung diverser Barfenster unserer Stadt steckt.

Nur war ich erst einmal im Gotthard und habe auch sonst nie ?ber die Fenster der Trinkst?tte meiner Stadt nachgedacht.? Dass sich das nun ?ndert habe ich diesem Blog zu verdanken und einem Aufruf, dem sie – zum Gl?ck – gefolgt ist.

Sophie ist Schnellzeichnerin; ist “urban sketcherin” wie man heut wohl eher sagen w?rde. Zuvor aber ist sie vorallem eine angenehme Gespr?chspartnerin; eine Person, in deren N?he man sich schnell wohlf?hlt. Wir bestellen unsere Getr?nke und sitzen im Riva. Sie trinkt ihren Cappuchino; ich hingegen brauch dringend einen Eistee.

Wir reden ?ber ihre letzten Jahre; ?ber die Zeit an der ZHDK und ihren Masterstudiengang in Luzern. Dar?ber dass sie gern den Lehrberuf als sicheren Hafen? angegangen w?re und dass sie sich den Schritt in die Selbstst?ndigkeit lange nicht ganz getraut hat. Sophie zeichnet Szenen aus Bars und Caf?s; und schaut man ?ber ihre Skizzen und in ihre Werke, dann erkennt man schnell etwas vom wachen Geist, der einem gegen?ber sitzt. Ich entdecke vieles, was ich selbst gern hab, in ihren Zeichnungen. Sie reduziert das Chaos, das ihr begegnet und ordnet die Welt minimalistisch an. Es sind reale Begebenheiten, unverf?lscht und reduziert auf wenige Striche. Nicht mehr als notwendig und genug um Stimmung und Charakter der Personen, die ihr begegnen, zu fassen.

“Wenn ich eine Szene zeichne, dann f?hre ich die Striche wertfrei und mag mich dabei selbst nicht mehr als n?tig ins Gespr?ch? bringen”

sagt sie und man glaubt ihr sofort. Auch ich mag es nicht aufzufallen und geniesse es mich ruhig an eine Szene oder eine Person heran zu tasten. Nur dass es in meinem Fall deutlich einfacher ist. Schliesslich ben?tige ich lediglich den Ausl?ser zu dr?cken.

Sophie hingegen z?ckt in solchen Momenten den Stift, breitet ihr Heft aus und zeichnet. Nicht mehr als 10 Minuten braucht sie f?r eine Zeichnung, sagt sie, f?hrt aber gleich an, dass es sp?ter noch eine knappe Stunde Arbeitszeit am Rechner ben?tigt.

Zehn Minuten f?r ein Bild. Ich bin beeindruckt von der Dauer… von der K?rze, wenn man bedenkt, dass es eine Zeichnung ist und von der L?nge, wenn es darum geht sich mit einer Person oder eine Szenerie zu befassen.

Ihren Capuccino hat sie l?ngst getrunken. Auch der neu bestelle Eistee neigt sich dem Ende zu. Wie oft man sie mit Stift und Papier in den Caf?s und Bars unserer Stadt sieht, will ich dann noch wissen?

“Einmal die Woche in etwa. dabei entstehen dann sicher 4-5 Bilder einer Reportage”

Wir verabschieden uns und ich freue mich darauf mal unerwartet Teil ihrer Zeichnung zu werden.

Mehr ?ber Sophie erfahrt ihr auf ihrer Website: http://www.sophiegraff.ch/
Oder ihrem Instagram-Account: https://www.instagram.com/sophiaseraphina/